Ausufernde Waldbrände rücken gefährlich nah an ein Krankenhaus heran, dessen Intensivstation nur noch über wenige Beatmungsgeräte verfügt. Professorin Blankenburg, Dr. Majewski und Dr. Aydin steht eine Notsituation bevor und sie versuchen sich für das Unvermeidliche zu wappnen. Wem soll zuerst geholfen werden? Jedes Abwägen kann potenziell erhalten oder zerstören. Die drohende Katastrophe lässt die drei Ärzt*innen immer stärker an ihren ethischen Idealen und ihrer Wahrnehmung der Wirklichkeit zweifeln.
Die israelische Autorin Maya Arad Yasur verhandelt in diesem Theaterstück die Grundsätze medizinischer Ethik in hoch angespannter Atmosphäre und erzählt von der rohen Realität derjenigen, die mit den Schattenseiten ihres medizinischen Berufs konfrontiert werden. Ausgehend davon fragt Regisseur Aleksandr Kapeliush in seiner Inszenierung, ob man sich auf eine solche Krise überhaupt vorbereiten kann. Oder ist die Krise selbst nur ein Testlauf, eine Simulation für einen kommenden Ernstfall?
Eine Produktion des Stadttheaters Gießen und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg GmbH.
Premiere: 21. November 2025 
Stadttheater Gießen 
Bachelorprojekt

Triage – Maya Arad Yasur 
Regie: Aleksandr Kapeliush
Bühne & Kostüme: Laura Mendoza Gleser
Dramaturgie: Lena Plumpe 
Musik: Dmitry Klenin
Regieassistenz und Abendspielleitung:
Linnéa Peppler
Ausstattungsassistenz: Andrea Nagy
Es spielen: Ali Aykar, Levent Kelleli,
Nina Plagens, Anna Huberta Präg,
Izabella Radić, Germaine Sollberger
Gießener Anzeiger:

 “Nun widmet er sich als Abschlussarbeit seines Regiestudiums mit dem ebenfalls von der israelischen Dramatikerin Yasur stammenden Schauspiel “Triage“ einem nicht minder relevantem Thema. Die gelungene Premiere wurde am Freitagabend im Kleinen Haus mit viel Beifall bedacht.“
“Spannend mutet an, wie Regisseur Kapeliush neben dem medizinischen Aspekt, inspiriert durch Computerspiele wie “Die Sims“ und Filme wie “Matrix“ oder “Die Truman Show“ den Simulations-Charakter als weitere Ebene beleuchtet. Geradewegs paranoid steigert sich Dr. Aydin darin hinein, dass am Krankenhaus alles nur eine Nachbildung der Wirklichkeit sein könnte.“
“Die inszenatorischen Mittel sind sparsam, aber wirkungsvoll, so suggeriert ein auf Augenhöhe transparenter Vorhang sterile Krankenhausatmosphäre. Glaskästen erinnern an die Isolierung auf der Intensivstation, zugleich an Särge. Begleitet durch Saxofon und E-Piano, bereichert das Ensemble mit Songs zur Thematik den Abend, besonders gut gelingt die „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Im Ganzen verbindet die Koproduktion mit der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in sich stimmig niveauvolle Unterhaltung mit erhellenden Denkanstößen.“
Gießener Allgemeine: 

"Darf man lachen, wenn alles eigentlich zum Weinen ist? Darf man das Leben eines Menschen gegen das eines Anderen aufwiegen, wenn es um Überlebenschancen geht? Wie können wir mit den Katastrophen dieser Welt umgehen, ohne in der Überforderung den moralischen Kompass zu verlieren? Es sind diese Fragen, die die israelische Dramatikerin Maya Arad Yasur in ihrem Stück "Triage" verhandelt.
Regie führte Aleksandr Kapeliush, der schon mit Yasurs Text "Wie man nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten" gezeigt hatte, dass er hochkomplexe Themen publikumsgerecht in Szene setzen kann."
"Das Stück lebt von unerwarteten Brechungen: mit gesungenen Showeinlagen, komödiantischen Szenen und allerlei Menschelndem. Schon die minimalistische Bühne von Laura Mendoza Gleser verzichtet auf aseptische Klinikoptik. Hier liegen keine Patienten im Klinikbett, sondern stehen durchsichtige Kuben für unterschiedliche Spielszenen bereit und hängen Kissen als Reminiszenz an die Behaglichkeit von der Decke. Hier sieht man kein Blut, sondern maximal rote Innereien aus Stoff. Auch die Musik (Sound und Arrangement: Dmitry Klenin) ist unerwartbar."
Fotos: Lena Bils
Eine Datscha in der ländlichen Tristesse. Nein – Unsinn. Die wurde schon abgebaut. Naja, egal. Ein Gerüst aus Worten. Wo war ich? Ach ja – Die Möwe. Fünf Figuren – Kostja, Nina, Arkadina, Trigorin, Sorin. In einem Zwischenraum suchen sie nach einem Selbst, das sie erfüllen könnte. Suchen einander, verfehlen sich, finden sich – manchmal zu spät. Ein Stoff für eine Erzählung. Oder ein Theaterstück. Auf Sorins Landgut riecht es nach Boheme und nach Sehnsucht – nach der Stadt, nach Ruhm, Anerkennung und Liebe. Im Ringen um neue Theaterformen treffen Meinungen aufeinander. Generationen sprechen aneinander vorbei. Und irgendwo mittendrin: Ich. Oder Du? нет, не то. (Text – Jana Riese, Dramaturgie)
Premiere: 22.05.2025.
Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
Stückentwicklung 
nach Anton Tschechow
aus dem Russischen von Ulrike Zemme

DIE MÖWE. NEIN UNSINN.
Помните? Какая ясная, теплая, радостная, чистая жизнь, какие чувства,— чувства, похожие на нежные, изящные цветы... Помните? 
Früher war es so schön, Kostja! Weißt du noch? Das Leben war hell, warm, fröhlich, unschuldig, unsere Gefühle waren zart wie frische Blumen… Weißt du noch? 
Regie: Aleksandr Kapeliush (er/ihm)
Es spielen: Carl Phillip Benzschawel (er/ihm), Nele Holzmann (sie/ihr),
Daria Kleyn (sie/ihr), Marix Turskiy (they/them/Name)
Live-Musik: Dmitry Klenin (er/ihm)
Filmakademie BW
Dramaturgie: Jana Riese (sie/ihr)
Bühne: Peter Oellerich (er/ihm) und
Emil Schönert (er/ihm),
HfG Karlsruhe
Kostüm: Nadine Richter (sie/ihr) und
Alison Schulz (sie/ihr),
Hochschule Hannover
Zuhause… Unzählige Menschen müssen ihr Zuhause verlassen. Wo war ich? Ach ja, “Die Möwe” Das Stück von Anton Tschechow spielt auf einem Landgut im Russischen Imperium des 19. Jahrhunderts… Nein, Unsinn… Tschechow selbst wurde in Taganrog geboren, eine überwiegend ukrainischsprachige Stadt…Hörst du den Wind? Heute sind die Theaterlandschaften beider Länder stark vom Krieg betroffen. Eines Tages kommt ein Mann, sieht sie und vernichtet sie, nur so, ohne besonderen Grund. Krieg…
Fotos: Steven M. Schultz / Emil Schönert
Vier Jugendliche erwachen nach einer chaotischen Nacht in einem Hotel und versuchen, sich zu erinnern. Sie beginnen zu rekonstruieren. Wie sind sie an diesen Ort gekommen? Wovor sind sie geflohen? Und wie stehen sie zueinander? In diesem absurden Zimmer, das alles auf den Kopf stellt, sehen sie sich mit der Realität ihrer Albträume konfrontiert. Zwischen Hass und Liebe müssen sie sich der Frage stellen: Wenn nichts mehr bleibt, wer sind sie dann überhaupt und wer wollen sie sein? (Text – Lilly Rößler, Dramaturgie) 
Premiere: 13.02.2025
Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
Stückentwicklung 
nach William Shakespeare
aus dem Englischen von Frank Günther
mit Texten des Ensembles
Ein Sommernachtstraum.a
Team
Regie: Aleksandr Kapeliush (er/ihm)
Es spielen: Lena Karius (sie/ihr)
Sascha Paul Klaus (dey/demm)
Stefan Reis (er/ihm)*
Selina Schoeneberger (sie/ihr)
Dramaturgie: Lilly Rößler (sie/ihr)
Bühne: Franka Breunig (sie/ihr)
Kostüm: Nadine Richter (sie/ihr)
Alison Schulz (sie/ihr)
Musik: Dmitry Klenin (er/ihm)
Lysander – sag doch was, Lysander – fort?
Lysander, bist du fort? Kein Laut, kein Wort?
Wo bist du denn? Sag doch, was soll denn das?
Ich werd verrückt vor Angst! Sag endlich was!
Lysander, wenn du da bist, schlafe ich besser
auch wenn du Geräusche machst
wirkt das beruhigend
wenn du weg bist, muss ich mich wieder daran gewöhnen
dass ich jetzt ganz alleine meine albträume bekämpfen muss
Sag endlich was!
Nein? Nichts? Ich bin allein, ich bin in Not,
Find ich nicht dich, dann find ich meinen Tod.
der Traum wiederholt sich immer wieder
egal was ich mache
egal wie gut mein Leben gerade ist
sehe ich immer das gleiche
Orte, die so wirken, als ob man da bleiben könnte, um glücklich zu sein
Aber dann merkt man
nein, das war von Anfang an eine Falle
und man muss hier weg
sonst passiert etwas schlimmes
sonst überlebt man nicht
Aufführungsrechte Hartmann & Stauffacher Verlag
Fotos: Steven M. Schultz
wer bist du? wer bist du eigentlich? was machst du? was machst du hier? warum hier? warum jetzt? warum Deutschland? warum Ludwigsburg? warum hast du keinen russischen Akzent? warum klingt es eher nach einem hebräischen Akzent? deine Aussprache ist richtig gut. bist du alleine hergezogen? wo ist deine Familie? warum ziehen sie nicht auch einfach weg? wie geht’s dir damit? wie geht’s dir? ich frage dich. aber du musst mir nicht antworten. wenn du nicht willst.
Premiere: 21. November 2025 
Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg
Biografisches Projekt 



das Wetter zuhause. ein Wohnzimmerballett
Team und Mitwirkende 
Von und mit:
Aleksandr Kapeliush (er / ihm)
Texte und Lieder:
Aleksandr Kapeliush (er/ihm) Choreographische Beratung: Leonid Leontev (er/ihm)*
Sound: Dmitry Klenin (er/ihm)** |Special guest: M. Amin Zariouh (er/sie)
Stimme: Germaine Sollberger (sie/ihr)
Für, mit und über:
Marina Solopchenko, Emil Kapeliush, Vera Latysheva 
Peter Helling - NDR

"Ein Stück ist besonders zu erwähnen: "das Wetter zu Hause", mit dem Untertitel "Ein Wohnzimmerballet" von der Akademie fürDarstellende Kunst in Ludwigsburg. der Künstler Aleksandr Kapeliusch erzählt darin seine Geschichte als queerer junger Mann und Auswanderer Ballett |Schwanensee", die Ebenen werden spielerisch verwoben, bauen eine fast tänzerische Spannung auf."
Pia Epping (Jury und Patenschaft der Arbeit beim Körber Studio):
"Ich freue mich diese berührende, biographische und schöne Arbeit vorzustellen.  Sascha Kapeliush erzählt die Geschichte seines eigenen Exils und beschäftigt sich dabei mit Fragen der kulturellen Identität, Zugehörigkeit und Querness. Anhand von Dokumentationen, eigenen Texten und teilweise selbst geschriebenen Musikstücken, die er mit großer Hingabe und Können präsentiert, nimmt er das Publikum mit in einen vielschichtigen persönlichen Erfahrungsraum. Er verwebt dabei auf kluge Weise seine eigene Geschichte mit dem vierakter des Schwanensee den er als strukturgebendes Prinzip nutzt. Der Titel "das Wetter zuhause" geht dabei auf ein russisches Fernsehformat zurück. Und beschreibt in der Performance auch einen konkreten Gedankenoder Anliegen des Performers. Wie ist das Wetter zuhause bei seinen Eltern? Wie ist das Wetter dort in diesen Räumen in denen er nicht mehr ist? Die Bühne ist, wie er sie auch selbst beschreibt, minimalistisch denn für diese Erzählung braucht er nur die Andeutung eines Wohnzimmers und ein paar Gegenstände. Von dieser Reduzierung und Klarheit lebt die Performance, die in ihrer Einfachheit doch sehr komplex ist.
Er baut eine kurzweilige, präzise Dramaturgie in der sich bestimmte performative Elemente wiederholen und so eine eigene rhythmische Struktur schaffen. Besonders eindrücklich sind jene Momente in denen er sich selbst mitverschiedenen Fragen konfrontiert- Fragen, die ihm immer wieder gestellt wurden. Das sind fragen nach Identität und Zugehörigkeit, Heimat und Politik. Er spricht die Fragen laut aus, lässt die Stille danach genau so lange stehen, wieeine Antwort dauern könnte. Diese bewussten Leerstellen entlarven weniger ihn als vielmehr das Verlangen der Anderen, sein "Anderssein" erklärbar zu machen — und werfen zugleich die größere, offene Gegenfrage in den Raum: Was kann — und was will — ich überhaupt von mir preisgeben? Er performt mit starker Ruhe, großer Sanftheit und Humor. Dabei ist es sehr beeindruckend wie nahbar, persönlich und ehrlich er dabei ist. Insbesondere die Zweifel die er äußert, die Angst dass niemand versteht wie es ihm wirklich geht, wirken besonders stark. Sascha Kapeliush findet in seiner Arbeit einen schönen, liebevollen Umgang mit der eigenen Biografie und Identität. Am Ende steht die Frage: Wie viel meiner Identität kann ich selbst bestimmen? Wie lassen sich Dinge miteinander vereinen? Und wie lässt sie sich weiterschreiben? Darauf antwortet er mit einem persönlichen Finale: Er schreibt sich sein eigenes Ende für Schwanensee."
Fotos: Steven M. Schultz
Premiere: 24 April 2024 

Stadttheater Gießen 
Szenische Lesung

Regie: Aleksandr Kapeliush
Dramaturgie: Cennet Alkan
Spielerin: Nina Plagens 
Wie man nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten - Maya Arad Yasur
“Schalte den Fernseher aus. Schließ alle Medien und alle sozialen Netzwerke, die darauf angelegt sind, deine Gefühle aus kapitalistischen Motiven aufzustacheln (..) du musst dich erinnern: Auch auf der anderen Seite der Grenze gibt es Mütter.“

- Maya Arad Yasur
Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, wie es ist, sich auf einmal in einer Realität wiederufinden, in der du ständig deine Sicherheit hin- terfragst and nicht weißt, wie weit die nächste Katastrophe entfeernt ist und welche Konsequenzen sie hat. Wie überlebt man das alles, ohne sich selbst und seinen eigenen Verstand zu verlieren? Man empfindet Angst, Wut, Ohnmacht und Verzweiflung, man lebt in einem Alptraum zwischen brutaler Wahrheit und Propaganda. Maya Arad Yasur gibt all all den Gefühlen Raum und mobilisiert uns dadurch, wachsam zu bleiben, füreinander da zu sein, anstatt sich dem Teufelskreis von Grausamkeit und Schmerz hinzugeben. (Aleksandr Kapeliush, Regie)
Die israelische Autorin Maya Arad Yasur hat 10 Tage nach dem Angriff am 07. Oktober 2023 ihre Gedanken als Bewältigungsstrategie festgehalten. "Das Einzige, was ich schützen kann, ist meine Moral. Ich habe den Text geschrieben, um das alles zu verarbeiten, was ich erlebt habe." Yasur hat dabei eine klare und reflektierte Haltung. Es kann vorkommen, dass traumatisierte Menschen sich von dem humanistischen Ansatz verabschieden. Wie gehen wir mit unseren Ängsten oder gar aggressiven Haltungen um? Wohin mit unserer Hilflosigkeit? Was macht das mit einer Gesellschaft? Immer wieder betont Maya Arad Yasur, auch die andere Seite der Grenze im Blick zu behalten. Wichtig ist ihr dabei, auch das Leben der palästinensischen Menschen sichtbar zu machen. Im Text selbst wird der israelisch-palästinensische Konflikt nicht explizit erwähnt, dennoch ist er allgegenwärtig. So bekommt der Text eine allgemeingültige Relevanz, da er zugleich sehr konkret, aber auch weit genug ist, um leicht auf andere globale und lokale Kriegs- und Krisensituationen übertragen werden zu können. (Cennet Alkan, Dramaturgie).
Fotos: Rolf K. Wegst
Made on
Tilda